Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

Heute möchte ich euch eine beinahe unglaubliche Geschichte erzählen, die eher zu einem Superagenten-Filmdrehbuch oder zu einer spannenden, altertümlichen Geschichte wie die des Trojanischen Pferdes passen könnte.  

Nein, das ist sie aber nicht. Diese Geschicht ist eine der spannenden Geschichten, wie sie nur unsere Natur erzählen kann.

Deshalb möchte ich euch heute diese wahre und wahrhaftig tollkühne Geschichte eines eher unscheinbaren knapp 4,0 cm großen Schmetterling erzählen. Die Weibchen sind auf der Flügelunterseite hellbraun mit wenigen dunklen Flecken gemustert und auf der Flügeloberseite in etwas dunkleren Brauntönen gezeichnet. Die Männchen sind auf der Flügelunterseite ebenfalls hellbraun mit einigen dunklen Flecken gemustert aber auf der Flügel-Oberseite leuchten sie von zart hell- bis dunkelblau wie kleine Edelsteine.

Aber mal von Anfang an.

Weltweit gibt es mehr als 150.000 verschiedene Schmetterlingsarten. Jede Art für sich ist natürlich einzigartig und auf seine Wiese sehr besonders. Ich habe euch heute aber einen für mich sehr bemerkenswerten Schmetterling ausgesucht, weil ich seine Geschichte einfach unglaublich spannend finde. Aber seht selbst und lest:

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling aus der Familie der Bläulinge  Lycaenidae,  gehört zur Gattung der Maculinea. Das braucht ihr euch aber gar nicht merken. Das schreibe ich hier nur der formhalber dazu.

Ein anderer  Grund, warum ich euch diesen bemerkenswerten kleinen Tagfalter näherbringen möchte, ist die traurige Tatsache, dass dieser kleine Kerl mit vielen anderen Leidensgenossen auf der „Roten Liste“ steht und damit zu den bedrohten Tierarten zählt. Wenn wir Menschen so weitermachen, werden die Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulinge bald schon aussterben. Und das fänd ich sehr traurig.

Sein Lebensraum erstreckt sich von Mitteleuropa bis zum südlichen Kaukasus und wird leider überall immer seltener. Hier in Deutschland kannst du ihn mit etwas Glück im Süden und in östlichen Landesteilen entdecken.

Zum Leben benötigt der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling  feuchte Wiesen, Randbereiche an Gräben entlang, die nicht überflutet werden und Niedermoore. Es darf also nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein. Diese Bereiche dürfen nicht zu stark bewirtschaftet und gedüngt werden und die Böden dürfen auf gar keinen Fall zu stark verdichtet sein.

Dann braucht es noch zwei weitere, lebenswichtige Faktoren:

1. Auf diesen Wiesen muss sich der „Große Wiesenknopf“ Sanguisorba officinalis, eine zu den Rosengewächsen zählende, rotblühende, bis zu einen Meter hochwachsende Blume, die im hohen Gras mit ihren eiförmigen, rot bis purpurn gefärbten Blütenkopf sanft im Wind hin und her schaukelt, wohlfühlen.

2. Auf diesen Wiesen müssen Kolonien von Knotenameisen, Myrmicinae ihren Lebensraum ergründet haben, da sie dem Schmetterling als Wirtsameise dienen und sein Überleben davon abhängt, ob sich diese Ameisenart hier heimisch hält.

So, jetzt haben wir alles zusammen und so erklärt sich auch der Name unseres Freundes.

Und da kommen wir dann auch schon zum hauptsächlichen Grund meiner kleinen Geschichte für euch, die damit beginnt, dass der Dunkle Wiesenknopf- Ameisenbläuling beim überfliegen von unserer schönen Heimat Deutschland, genau so eine Wiese mit den dunkelroten, sanft im Wind wiegenden Blüten des Wiesenknopfes entdeckt und sich darauf niederlässt.  Er braucht diese tolle Blume zu Überleben. Der Falter ernährt sich vom Nektar der Blüte, er schläft und ruht auf der Blume, hier wird sich gepaart und auch die Eier werden ausschließlich auf diesen Blütenkopf abgelegt.

Das alles macht noch einmal deutlich, wie wichtig diese eine Pflanze für das Überleben einer ganzen Art ist.

Hier schlüpfen ca. acht Tage nach der Eiablage die kleinen Raupen, die die Blüte für die nächsten zwei bis drei Wochen sowohl als Nahrung als auch als Versteck nutzen.

In dieser Zeit nehmen die kleinen Raupen so viel Gewicht zu, dass sie sich drei Mal häuten und dabei ihre äußere Gestalt komplett verändern. Sind sie anfangs noch hell-gelbe,  schlanke Raupen, färben sie nach und nach so, wie das Rot der Blüte und bilden einen Körperbau, der dem einer 3,0 mm großen, roten Assel ähnelt.

Und ab hier beginnt jetzt der wirklich spannende Teil dieser Geschichte.

Während beinahe alle anderen Raupen der gut 150.000 Schmetterlings- Arten sich ab hier verpuppen und die Metamorphose beginnen, passiert bei den asselähnlichen Raupen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings schier unglaubliches:

Die kleinen roten Raupen verlassen ihr sicheres Versteck und kriechen aus den Blüten heraus. Sie lassen sich dann einfach zu Boden fallen. Unten angekommen verkriechen sie sich unter Blättern oder in kleinen Erdspalten und warten.

Sie warten hier unten auf ihren größten Todfeind, die Rotgelbe Knotenameise Myrmica rubra. In der Zeit des Wartens produziert die Raupe einen lieblichen Duft, der sehr attraktiv auf diese Ameisenart wirkt und zudem dem Duft der Ameisenbrut sehr ähnelt.

Das alleine ist schon ziemlich ausgebufft.

Es geht noch weiter: Die clevere Raupe verdreht ihren gesamten Körper in der Art, dass sie nun auch noch so aussieht, wie eine Ameisenlarve.

Das ist schon ziemlich gerissen, finde ich.

Irgendwann kommen im besten Fall, von diesem Duft angelockt, also ein paar passende Kontenameisen daher und beschnuppern und betasten sorgfältig und ausgiebig  unserer Raupe. Derartig  getäuscht, nehmen die Ameisen die Raupe mit, weil sie annehmen, hier handelt es sich um ein abhanden gekommenes Ei der eigenen Brut.

Eilig schleppen sie unsere Raupe in die Brutkammer ihres Ameisenbaus und versorgen sie von jetzt an, wie ihre eigenen Nachkommen.

Nichtsahnend dass dieser kleine Überlebenskünstler bis zum Verpuppen ca. 500 bis 600 Ameisenlarven vertilgt.

Dabei wird die Raupe immer größer und dicker.

Beinah zehn Monate bleibt die Raupe hier in dieser warmen und gut gefüllten Speiskammer und kommt so ganz wunderbar über den sonst kargen und kalten Winter.

Dabei irritiert und verwöhnt sie weiterhin mit ihrem Duft und dem so genanntem Honigwasser, das sie mit ihren speziellen Drüsen produziert, die Ameisen, die sie die ganze Zeit pflegen und versorgen.

Erst im Juni des Folgejahres beginnt die Raupe sich zu verpuppen.

Ab jetzt wird es richtig gefährlich für sie.

Nach ca. 25 Tagen als Puppe schlüpft der Falter und spätesten jetzt fliegt die Maskerade auf. Hier endet die gastfreundliche Vollpension der Ameisen und der frisch geschlüpfte Falter muss so schnell wie möglich den Ameisenbau verlassen.

Ist der Falter erst einmal entdeckt und seine Täuschung aufgeflogen, attackieren ihn die Ameisen mit ihren sehr kräftigen Kiefer-Werkzeugen.

Aber auch gegen diese Attacken der Ameisen hat unser „007 der Schmetterlinge“ natürlich eine kleine Geheimwaffe: Der frisch geschlüpfte Falter ist bedeckt mit fusseligen Schuppen, die die Beißwerkzeuge der Ameisen verstopfen, sobald sie zubeißen.

Kiefersperre und nichts geht mehr bei den Angreifern.

Das kannst du dir nicht ausdenken.

An der Erdoberfläche angekommen, beginnt der Falter seine Flügel zu entfalten um sich möglichst bald in die Lüfte zu erheben und sich endgültig in Sicherheit zu bringen.

Von da an beginnt dieses einmalige und skurrile Spiel von Vorn. Der Kreis schließt sich.

Ich finde, das alles ist so unglaublich und einmalig, dass es wirklich Sinn macht, diesem cleveren Schmetterling seinen Lebensraum zu erhalten und so sein Überleben zu sichern.

Extensiv genutzte Feuchtwiesen müssen dafür gefördert werden, um den Wiesenknopf ein Auskommen zu ermöglichen. Diese Wiesen dürfen zwischen Juni und September nicht gemäht werden, damit die Eiablageplätze des Falters nicht zerstört werden.  Dabei dürfen möglichst keine schweren Geräte zum Einsatz kommen, um den Boden nicht zu sehr zu verdichten, damit auch die Knotenameise einen brauchbaren Lebensraum vorfindet.

Es wäre doch schade, wenn man sich diese atemberaubende Geschichte eines Tages nicht mehr erzählen könnte, oder?

Also erzähle auch du diese spannende Geschichte überall weiter, um diesen kleinen cleveren Schmetterling bekannt zu machen, damit möglichst viele Menschen von diesem schützenswerten Wesen erfahren.

Ich bin mir sicher, dass nicht nur der unser Held dieser Geschichte und die Ameisen von so einer nachhaltigen Bewirtschaftung profitieren können.

Ich denke auf so bewirtschafteten Flächen kann eine tolle Artenvielfalt entstehen und ihren Fortbestand sichern.

Diese und andere interessante Geschichten findest du in meinem Blog unter www.achtsamkeitimwald.com

Schau gerne vorbei und sende mir ein kleines Feedback.

Liebe Grüße Klaus